, Glauser Loïc

Das erste Spiel ist sogleich das letzte und entscheidende

Nach der Coronapause geht es für den FC Grünstern und den FC Orpund morgen direkt um den Aufstieg in die 2. Liga. Die Ipsacher haben die bessere Ausgangslage, doch behalten sie die Nerven?

David Küffer ist aus dem Häuschen. Er redet ohne Punkt und Komma. «Sein» FC Grünstern hat beste Chancen, morgen in die 2. Liga aufzusteigen. Doch es ist nicht nur das, was den Co-Präsidenten und Sportchef elektrisiert, sondern sozusagen das Gesamtpaket. Dass es nach der langwierigen Coronapause nun endlich wieder losgeht im Regionalfussball, ist eigentlich schon allein Grund genug zur Euphorie. Dass es dabei zusätzlich sogleich in einem einzigen Spiel um alles oder nichts geht, verleiht der Affiche aber erst so richtig Brisanz. «Ich bin schon ziemlich nervös. Aber zeigen tue ich das nicht. Ich will das Team ja nicht anstecken», sagt Küffer.

In all diese Vorfreude mischt sich jedoch auch eine Prise Bedenken. Denn: Corona ist nicht vorbei, auf dem Fussballplatz in Ipsach müssen Schutzmassnahmen eingehalten werden. Maximal 300 Personen sind zugelassen, es herrscht Registrierungs-, Masken- und Sitzplatzpflicht. Letzteres zwingt den Klub, auf den Trainingsplatz auszuweichen. Weil wer sich rund um den Hauptplatz hinsetzt, guckt in die Röhre beziehungsweise auf eine Werbebande. Deshalb werden die Spieler nach dem Abschlusstraining Bänke rund um den eigentlichen Trainingsplatz aufstellen.

Wie viele Leute morgen darauf Platz nehmen werden, sei schwierig abzuschätzen, sagt Küffer. In der Vergangenheit zog ein Barrage-Spiel um den Aufstieg im Seeland auch schon über 500 Fans an. «Wir wissen nicht, ob die lange Pause für mehr oder weniger Zuschauer sorgt. Oder welchen Einfluss das erste EM-Spiel der Schweiz, das vor unserem stattfindet, hat», sagt Küffer.

Zurück nach drei Jahren?

Ob vor «vollem» Haus oder nicht – unter Druck steht der FC Grünstern so oder so. Der Gang in die höhere Liga präsentiert sich dieses Jahr günstig wie selten. Wegen der Vergrösserung der 2. Liga entfallen die Barrage-Duelle, jeder Gruppensieger steigt direkt auf. Damit die grünen Sterne auf jeden Fall zu einem solchen zählen, müssen sie morgen gegen den FC Evilard gewinnen. Bei einem Unentschieden oder einer Niederlage könnte der Leader noch vom FC Orpund abgefangen werden, der zwei Punkte hinter Grünstern liegt.

«Evilard ist nicht zu unterschätzen. Wir müssen cool bleiben und einfach spielen, dann kommt es gut», so Küffer. Nach fast acht Monaten ohne Ernstkampf ist das leichter gesagt, als getan. Bezüglich fehlender Spielpraxis geht es allen Mannschaften gleich, so könnte letztlich der mentale Aspekt ausschlaggebend sein. Küffer sagt, er vertraue vollends auf das Trainer-Duo Pascal Arni und Ralph Moser, die als Spieler schon ähnliche Schlachten meistern mussten. «Die Trainer werden das Team bestens auf diesen Match einstimmen.»

Sollte es mit dem Aufstieg klappen, wäre das für den FC Grünstern eine Art Versöhnung mit dem Schicksal. Gestern vor drei Jahren war er dramatisch in die 3. Liga abgestiegen. Im letzten Spiel gegen den Rivalen Nidau verschossen die Ipsacher zwei Elfmeter. «Das soll nicht arrogant klingen», sagt Küffer, «aber Grünstern, mit seiner grossen Juniorenabteilung, gehört einfach in die 2. Liga.»

Oder Rückkehr nach zehn Saisons?

Etwas dagegen einzuwenden hat natürlich der FC Orpund. Auch er ist ein Traditionsverein des Seeländer Fussballs. Die 2.-Liga-Abwesenheit der Orpunder dauert jedoch mittlerweile schon zehn Jahre an. Der FCO trifft morgen auswärts auf einem Nebenplatz der Tissot Arena auf Azzurri – jedoch nicht zeitgleich mit Grünstern, sondern erst am Abend. «Das ist schade», sagt Orpunds Trainer Tibor Kalina, «ein richtiges Fernduell wäre spannender gewesen.» Zur Überraschung vieler schreibt der Verband die zeitgleiche Ansetzung in dieser letzten Runde nicht vor.

Sollte Grünstern gewinnen, ginge es für Orpund um nichts mehr. Kalina sagt aber: «Klar würde in diesem Fall die Motivation kleiner sein. Aber ich habe den Spielern gesagt, dass wir auch dann gewinnen wollen, um unseren zweiten Platz zu festigen.» Denn – und das sorgt an diesem letzten Spieltag für zusätzliche Spannung – Orpund spielt gegen den Dritten und Grünstern gegen den Vierten der Tabelle. Selbstläufer werden die Spiele für beide Aufstiegskandidaten also wohl keine.

Sieben Seeländer Teams in 2. Liga?

Der Aufstieg ist nicht bloss wegen der fehlenden Barrage heuer attraktiv. Auch die Aussicht auf kommende Saison hat es in sich. Falls sich Azzurri in der 2. Liga hält (siehe auch Zweittext), werden sieben Mannschaften aus dem Seeland in der höchsten regionalen Liga vertreten sein. Der FC Ins steht nämlich schon als Gruppensieger und Aufsteiger fest.

Quelle: bielertagblatt.ch