Heute im Bieler Tagblatt
Der Drittligist FC Orpund ist überraschend auf Aufstiegskurs
Drei Runden vor Schluss der Meisterschaft der 3. Liga hat der FC Orpund gute Chancen, aufzusteigen. Im vergangenen Sommer war die Promotion in die 2. Liga regional noch kein Thema.
Noch drei Runden sind in der Gruppe 4 der 3. Liga zu spielen. Mit einem Vorsprung von fünf Punkten auf den Zweiten Zollikofen liegen die Orpunder in Führung. Zudem hat der FCO gegenüber dem Verfolger weniger Strafpunk- te auf dem Konto und verfügt über das bessere Torverhältnis. Auch das Restprogramm ist zumindest auf dem Papier «machbar». Morgen (Anpfiff: 16.30 Uhr) trifft der Aufstiegsaspirant auswärts auf den Zweitletzten Münchenbuchsee. Dann folgt das Auswärtsspiel gegen Absteiger Nidau (Sonntag, 9. Juni, 10.15 Uhr), bis dann zum Saisonabschluss am Samstag, 15. Juni, Esperia empfangen wird (19 Uhr).
13 Jahre nachdem Orpund in die 3. Liga abgestiegen ist, zeichnet sich eine Rückkehr des früheren und langjährigen Zweitligisten ab. Vom Aufstieg war vor Jahresfrist allerdings überhaupt nicht die Rede. Damals war nämlich nicht die Mannschaft der Star, sondern die neuen Garderoben und die topmoderne Buvette. «Wir haben lange auf diesen Moment hingearbeitet, umso glücklicher wa- ren wir, als wir dies alles eröffnen konnten»,sagt Loïc Glauser, der Präsident des FC Orpund. Der Kraftakt und die Geduld haben sich ausbezahlt. «Wir sind sehr zufrieden mit den Garderoben und der Buvette, deren Umsatz nun wesentlich höher ist als zuvor», sagt er.
Seit Wochen zeichnet sich ab, dass Orpund aufsteigen wird. «Es war nie unser Ziel, aufzusteigen, sondern einfach vorne mitzuspielen», sagt Glauser. Die Tabellensituation sei wohl für die meisten Klubmitglieder überraschend. Auch er habe dies nicht erwartet. Wenn der Aufstieg in dieser Saison gelingen würde, wäre die Freude natürlich gross.
Gute Transferpolitik
Wie kann sich der Präsident erklären, dass sich der FCO in dieser Saison der- art gut entwickelt hat? «Wir hatten letz- ten Sommer und auch diesen Winter gute Transfers getätigt, die erfolgreich waren», sagt Glauser. Zudem sei die Gruppe 4 im Gegensatz zu anderen Gruppen in der 3. Liga sehr ausgeglichen.
Der Startschuss zum unbewusst eingefädelten Projekt «2. Liga regional» dürfte gemäss dem Vereinsvorsitzenden kurz nach der Winterpause gefallen sein. «Innerhalb einer Woche schlugen wir den SC Aegerten Brügg zweimal», sagt Glauser. Und auch die Statistik der Rückrunde zeigt auf, weshalb die Orpunder von der Tabellenspitze grüssen. Nur einmal mussten die Spieler als Verlierer vom Platz.
Für Glauser wäre ein Aufstieg auch aus persönlichen Gründen sehr speziell. In der Abstiegssaison 2010/11 konnte er als 15-jähriger Junior mittrainieren und spielte sogar Meisterschaftsspiele. «Lei- der fiel die Mannschaft nach der Relega- tion auseinander und die meisten Spieler verliessen den Verein», erklärt er. Eine Mannschaft mit B-Junioren inklusive Glauser stieg dann in der folgenden Sai- son ins Abenteuer 3. Liga. «Für uns junge Spieler war dies natürlich eine tolle Herausforderung», sagt Glauser, der nicht nur Präsident ist, sondern auch Captain und Innenverteidiger der ersten Mannschaft des FCO.
Mit einem Aufstieg würden die Orpunder die Chancen erhöhen, alte Cup- Zeiten wieder aufleben zu lassen. Am Samstag, 17. September 2005, empfing der FC Orpund in der 1. Hauptrunde des Schweizer Cups YB. An der Aarefield Road sahen 3200 Fans, wie die Orpun- der völlig überraschend bis zur Pause ein 0:0 halten können. Am Schluss heisst es 8:0 für den Favoriten aus der Super League.Glauser ist zwar erst 29 Jahre alt, aber dennoch lange genug im Fussball tätig, um zu wissen, dass man sich nie zu früh freuen sollte. «Die Ausgangslage ist sehr gut, aber aufgestiegen sind wir deshalb zurzeit nicht», sagt er.
Der Assistenztrainer übernahm
Im Winter kam es bei den Orpundern zu einem Trainerwechsel. Mohamed Deq Ahmed hatte sich aus beruflichen Gründen dazu entschieden, das Traineramt der ersten Mannschaft abzugeben. Sein Assistent, Daniel Mangold, übernahm das Fanionteam als Chefcoach. Mangold, der im Kanton Thurgau aufgewachsen ist, kam durch ein Masterstudium an der Eidgenössischen Hochschule für Sport in Magglingen ins Seeland. Zuerst spielt er für HNK Zagreb Biel, bis er zum FC Orpund wechselte. Letzten Sommer hörte der linke Aussenverteidiger in der ersten Mannschaft auf und wurde Assistenztrainer.
«Ich habe nicht damit gerechnet, dass wir uns nun in dieser Ausgangsla- ge befinden», sagt Mangold. Er habe allerdings gewusst, was für ein spielerisches Potenzial in dieser Mannschaft stecke. Wie auch für Glauser waren für Mangold die sechs gewonnenen Punkte gegen den SC Aegerten Brügg der Startschuss für etwas ganz Grosses. «Nach diesen zwei Spielen war mir klar, dass in dieser Saison etwas drin liegen könnte», sagt er.
«Wir zeigen konstant gute Leistungen und sind als Kollektiv stark», sagt Mangold. Man arbeite auch gut in der Verletzungs-Prävention mit dem Physiotherapeuten Andrea Huser, der auch Spielerderersten Mannschaft ist.Dies hat zur Folge, dass man fast keine verletzten Spieler hat und Mangold in Sachen Spielermaterial aus dem Vollen schöpfen kann. «Zudem ist die Leistungsbereitschaft bei den Spielern sehr hoch», erklärt Mangold, der seine Ar- beit und jene der Spieler schon dieses Wochenende mit einem Aufstieg belohnen könnte.
Quelle: Bieler Tagblatt
Autor: Patric Schindler