Artikel im Bieler Tagblatt - Der FC Orpund und der SV Safnern gehen zurück auf Feld eins
Der FC Orpund und der SV Safnern gehen zurück auf Feld eins
Der FC Orpund und der SV Safnern haben fusioniert. Die beiden Vereine bildeten schon einmal einen Klub. Was erhoffen sich die Nachbarn mit diesem Schulterschluss?
1967 ist der FC Orpund-Safnern gegründet worden. Neun Jahre später wollte man in Safnern einen eigenen Fussballverein auf die Beine stellen. So entstand der SV Safnern. In den letzten 50 Jahren arbeiteten die beiden Seeländer Klubs phasenweise auch im Nachwuchsbereich zusammen. Nun haben die Orpunder und Safnerer entschieden, sowohl bei den Aktiven als auch bei den Juniorinnen und Junioren einen gemeinsamen Weg zu gehen. Am 18. Februar dieses Jahres erfolgte die Gründungsversammlung und der neue Verein heisst FC Orpund Safnern. In der Rückrunde laufen die Mannschaften beider Teams noch mit den alten Vereinsnamen auf, ab Sommer heisst es dann für alle Vereinsmitglieder nur noch FC Orpund Safnern (ohne Bindestrich geschrieben).
Als Vorsitzender des neuen Klubs amtet der vorherige FC-Orpund-Präsident Loïc Glauser. André Maurer, der bisherige Präsident des SV Safnern, wird als Nachwuchstrainer und auch im Bereich der Infrastruktur und des Materials für den neuen Klub arbeiten. Glauser und Maurer blicken im Klubhaus im Orpund auf eine intensive und emotionale Vorbereitungszeit in Sachen Fusion zurück. «Vor vier Jahren hatten wir zusammen mit dem SV Safnern die Junioren-Gruppierung wieder aufgebaut. Dieser Schritt hat dazu geführt, dass wir uns überlegt haben, ob es nicht sinnvoll wäre, auf allen Stufen die Kräfte zu bündeln», sagt Glauser, der damals in seinem zweiten Jahr als FCO-Präsident gestanden ist und heute auch noch als Spieler der 3.-Liga-Mannschaft um Punkte kämpft.
Dass man nicht schon im letzten Jahr die Gründungsversammlung durchführte, sondern noch bis im Februar dieses Jahres wartete, ist kein Zufall. Da der SV Safnern 1976 gegründet worden ist, feiert er dieses Jahr sein 50-Jahr-Jubiläum. Und dieses wollten die Safnerer mit einer Feier noch begehen. Am Freitag, 19. Juni, und am Samstag, 20. Juni, blickt man mit einem Festbetrieb und einem Fussballturnier auf die Klubgeschichte zurück.
«Durch die Fusion werden wir im Nachwuchsbereich ein grösseres Einzugsgebiet haben und schon Leistungsstufen ab den E‑Junioren einführen können», sagt Maurer, der vor zwei Jahren das Amt des Präsidenten des SV Safnern angetreten hatte. So könne man die Juniorinnen und Junioren leistungsgerechter fördern und sie kontinuierlich in die Aktiv-Mannschaft integrieren.
Es brauchte viele Gespräche
Sowohl in Orpund als auch in Safnern waren viele Gespräche mit Vereinsmitgliedern nötig, um überhaupt Kurs auf eine Fusion zu nehmen. «Gegen die Fusion gab es praktisch keine Opposition. Emotional wurde es, wenn wir über den Vereinsnamen und die Klubfarben gesprochen haben», sagt Maurer. Bei den Farben traf Blau-Gelb (Orpund) auf Grün-Weiss (Safnern). Das neue Logo entspricht jenem von früher, ist auch eine Hommage an die gemeinsame Zeit beider Vereine und beinhaltet wie dazumal die Buchstaben O und S.
Glauser hat bei den Orpundern in den Vorgesprächen zur Fusion dieselben Erfahrungen wie Maurer gemacht. «Die meisten unserer Mitglieder sahen die Fusion als sinnvoll und notwendig an, aber gerade die ältere Generation war auch noch geprägt von der damaligen Abspaltung der Safnerer zu einem neuen Verein und der Auflösung der Junioren-Gruppierung», sagt Glauser. Wie bei den Safnerern auch, waren die Diskussionen der neuen Vereinsfarben und des neuen Klublogos emotional.
Glauser und Maurer sind zufrieden, dass an beiden ausserordentlichen Generalversammlungen der Vereine die Fusion breit abgestützt war. In Orpund gab es keine Gegenstimme, in Safnern lediglich zwei. «Unsere Vereinsmitglieder konnten sich in den letzten Jahren auf diesen Schritt vorbereiten, denn die Fusion war an jeder Generalversammlung ein Thema», sagt Glauser. «Für mich ist es absolut verständlich, dass diese Fusion viele unserer Vereinsmitglieder emotional berührt», sagt Maurer, der im solothurnischen Bezirk Gäu aufgewachsen und vor zwei Jahren Präsident des SV Safnern geworden ist.
Besonders knifflig war es, den neuen Vereinsnamen zu finden. Es gab auch Vorschläge, die weder Orpund noch Safnern im Namen hatten. Soll der neue Klub zum Beispiel FC Aare heissen? «Unsere Idee war es, beim Vereinsnamen auf Feld eins zurückzugehen», sagt Glauser. Aber auch mit dem Motto «Back to the roots» und dem Namen FC Orpund Safnern stiess man nicht auf die volle Zufriedenheit. Beide sagen: «Bei einer Fusion zweier Traditionsvereine ist es unmöglich, es allen Vereinsmitgliedern recht zu machen.» Für alle brauche es nun eine gewisse Zeit, um die Veränderungen auch emotional zu verarbeiten, erklärt Maurer.
Fusion bringt viele Vorteile
Die Fusion wird in den verschiedensten Bereichen Vorteile bringen. «Bei einer Nachwuchs-Gruppierung ist schon nur der administrative Aufwand sehr gross», sagt Glauser. Dort könne man nun effizienter arbeiten. «Jetzt geht es auch darum, die Nachwuchs-Teams zusammenzustellen und die Trainerinnen und Trainer der jeweiligen Mannschaften zuzuweisen», erklärt Maurer. Da es immer schwieriger für Sportvereine wird, Menschen zu finden, die bereit sind, in ihrer Freizeit ehrenamtlich zu arbeiten, spielt die Fusion beiden Klubs in die Karten. «Jetzt sind wir breiter aufgestellt und können die Aufgaben besser verteilen», sagt Glauser. «Die Fusion könnte auch die Sponsorensuche vereinfachen», ergänzt Maurer.
Auch was die Infrastruktur betrifft, gibt es aufgrund der Fusion Pluspunkte. «Wir müssen schon jetzt aufgrund unserer Terrainverhältnisse und des fehlenden Flutlichts in Orpund immer wieder nach Safnern ausweichen, um zu spielen», sagt Glauser. Und sowohl im Nachwuchs als auch bei den Aktiven müsse man sich nicht mehr die Frage stellen: Will ich nun für die Orpunder oder für die Safnerer spielen? Der Aarecup (Montag, 20. Juli, bis Samstag, 25. Juli) findet ab jetzt unter der Woche in Safnern und am Wochenende (wenn die Finalspiele anstehen) in Orpund statt.
Voraussichtlich wird es in der nächsten Saison beim FC Orpund Safnern zwei Männerteams (3. und 5. Liga) sowie ein Frauenteam (4. Liga) geben. Im Nachwuchsbereich ist es zurzeit noch schwierig abzuschätzen, wie viele Teams in die Saison steigen werden. Der neu gegründete Verein wird auf jeden Fall über eine grosse Nachwuchsabteilung verfügen (zwischen 250 und 300 Junioren und Juniorinnen). Ziel Nummer eins wird es sein, möglichst viele eigene Nachwuchsspieler in die Aktivmannschaften zu integrieren. Sowohl Glauser als auch Maurer sind sich einig: Die grösste Herausforderung wird es sein, genügend Trainerinnen und Trainer zu finden.
Was die Infrastruktur betrifft, ist der FC Orpund Safnern zurzeit gut aufgestellt. Mit dem Boom im Schweizer Fussball könnte sich dies aber ändern und es könnte zu Platzproblemen oder, wie bei anderen Klubs auch, zu Wartelisten führen. Und vielleicht haben sich durch die Fusion auch die Chancen ein wenig erhöht, dass es in Orpund oder in Safnern einmal einen Kunstrasen gibt.
Quelle: Bieler Tagblatt