, Bieler Tagblatt, Michael Lehmann

Fürs Schlussfurioso fehlte die Kraft

Auch der FC Orpund hat den Siegeslauf des FC La Neuveville-Lamboing nicht stoppen können.Die Gäste setzten sich in einem von Personalsorgen geprägten Duell mit 2:1 durch.

Und dann liegt der Ball doch noch im Tor der Neuenstädter. Orpunds Hervé Jolidon zieht von der Seite in den Strafraum und möchte in den Rückraum passen, jedoch ist ein Bein eines Neuenstädters dazwischen. Es ist aber nur eine vermeintliche Abwehr, denn der Ball geht nun direkt aufs Tor zu. Goalie Fabien Gagnebin hat sich bereits auf den Pass eingestellt und steht deshalb auf dem falschen Fuss – er kann nicht mehr reagieren. Deshalb steht es in der 78. Minute nur noch 2:1 für La Neuveville-Lamboing.

Wer nun ein Schlussfurioso des Heimteams erwartet hat, der wurde enttäuscht. Tatsächlich kam Orpund nicht einmal ansatzweise zu einer Ausgleichschance. «Meine Spieler liefen bereits auf dem Zahnfleisch», sagte Orpund-Trainer Tibor Kalina. «Und leider konnte ich keine neuen Kräfte einwechseln.» Dem FCO fehlen derzeit mehrere Stammspieler; die meisten davon sind verletzt. Zudem war ein Akteur aufgestellt, der die ganze Woche krank war und bloss wegen der argen Personalnot fürs Spiel zusagte. So standen Kalina am Samstag nur zwei «echte» Ersatzspieler zur Verfügung standen. Als dritter Spieler führte er selbst auf dem Matchblatt auf, allerdings nur für den Fall, dass es zu weiteren Ausfällen gekommen wäre.

Umgekehrte Ausgangslage

Auch auf der Torhüterposition wusste Kalina bis zwei Stunden vor dem Spiel nicht, wer spielen würde. Mit Nicolas Bieri fand er einen Ersatz, der schon einmal eingesprungen ist, ansonsten aber nicht über viel Spielpraxis verfügt. Ein Umstand, der sich prompt rächen sollte: Sein fallengelassener Ball führte zum entscheidenden zweiten Treffer der Gäste (siehe Infobox). «Unsere Fehler wurden sogleich bestraft. Das hat letztlich den Unterschied in diesem Spiel gemacht», so Kalina.

Damit steht Orpund nach sieben Spielen mit nur sieben Punkten da. Ein etwas enttäuschender Start für das Team, das in der letzten Saison ganz vorne anzutreffen war: Als einziges Team vermochte Orpund dem FC Grünstern zu folgen, erst in der letzten Runde stellten die Ipsacher den Aufstieg in die 2. Liga sicher. «Es war eine Saison, in der ich stets aus dem Vollen schöpfen konnte», sagte Kalina. «In dieser Saison ist es halt gerade umgekehrt. Der mässige Start ist auf die lange Verletzungsliste zurückzuführen.» Sorgen, dass sein Team nun sogar in den Abstiegskampf verwickelt werden könnte, macht sich Orpunds Trainer aber nicht. «Heute war der souveräne Leader zu Gast. Wir haben das Spiel ausgeglichen gestaltet und letztlich nur knapp verloren. Das zeigt mir, dass die Qualität grundsätzlich da ist.»

Perfekter Saisonstart

Ja, mit Blick auf die bisherigen Resultate hätte man den FC La Neuveville-Lamboing tatsächlich etwas dominanter erwartet. Dass sein Team doch lange Mühe hatte, Chancen zu generieren, begründet Trainer Pierre-Alain Mathez wie sein Gegenüber mit der Personalsituation. Auch ihm fehlten mehrere Stammkräfte, auf der Wechselbank sassen auch bloss drei Ersatzspieler. «Deshalb sind wir enorm froh, haben wir auf einem schwierigen Platz gegen einen schwierigen Gegner drei Punkte gewonnen.»

Sieben Spiele, sieben Siege: Träumt man beim FC La Neuveville-Lamboing bereits vom Aufstieg? «Ich würde lügen, wenn ich das Gegenteil behaupten würde», sagte Mathez. «Die Saison dauert aber noch lange.»

Die Szene

Es läuft die 69. Minute, als der FC La Neuveville-Lamboing zu einem Eckball kommt. Der Ball segelt in den Strafraum und scheint eine sichere Beute des Torhüters zu werden. Doch 
Nicolas Bieri entgleitet der Ball aus den Händen. Dieser landet dann genau vor dem eingewechselten Joachim Carbone, der nicht zögert, abschliesst und den letztlich entscheidenden zweiten Treffer erzielt. Bitter für den Ersatztorhüter, der davor eine ansprechende Leistung gezeigt hatte.

Quelle: Bieler Tagblatt