, Reto Pfister, Bieler Tagblatt

Eine Woche lang ein Königlicher sein

Fussball Auf der Anlage des FC Orpund findet in dieser Woche das Camp der Fondacion Real Madrid Clinic für Nachwuchsfussballerinnen und -fussballer statt. Den Besten winkt eine Reise nach Madrid.

Sie tragen weisse Leibchen mit den Aufschriften Alaba, Benzema, Vinicus Junior oder Kroos. 48 Jungen und Mäd- chen – Letztere sind klar in Unterzahl – zwischen 7 und 15 Jahren verteilen sich auf der Anlage des FC Orpund. Am Dienstagnachmittag stehen Turniere auf dem Programm, die einen spielen auf normale Fussballtore, die anderen auf mehrere Minigoals. Trainerstim- men auf Hoch- und Schweizerdeutsch sind zu vernehmen.

Willkommen im Trainingscamp der Fondacion Real Madrid Clinic. Clinic steht nicht für etwas Medizinisches, sondern für die Fünf-Tages-Pro- gramme, welche die Fondacion durch- führt. Diese sind auch in der Schweiz breit angelegt, dieses Jahr an 25 Stand- orten. Orpund wurde von der Fonda- cion wegen seiner aktuell geführten und höchst ansprechenden Website als Austragungsort ins Auge gefasst; im November 2021 erhielt Juniorenob- mann Dominic Lüdi einen Anruf von Klaus Huber, der die Organisation von seiner Sportmanagement-Agentur in Bayern aus in der Schweiz vertritt. «Es ist für uns eine grosse Ehre», sagt Lüdi. Erfahrungen mit der Ausrichtung eines Nachwuchscamps hatte man bereits gesammelt, mehrfach war YB mit sei- nem Camp in Orpund zu Gast gewe- sen.

Hälfte der Kinder vom FCO

«Bei Real wird mehr von der Organisa- tion erledigt, die Anmeldungen bei- spielsweise oder das Catering läuft über sie», vergleicht der Nachwuchs- verantwortliche des FCO die Anforde- rungen für einen lokalen Veranstalter. «Wir mussten dafür sorgen, dass die Infrastruktur vorhanden ist, die Plätze bereitstehen. Und Werbung machen.» Von den 48 Kindern, die sich schliess- lich anmeldeten, stammt etwa die Hälfte vom FC Orpund, die andere Hälfte aus der Umgebung, auch einer aus Bern ist dabei. Auffallend war, dass andere regionale Vereine nicht unbedingt darauf erpicht waren, für das Camp Propaganda zu machen. «Da spielte wohl eine gewisse Eifer- sucht mit», vermutet Lüdi.

Die sportliche Leitung der Camps in der Schweiz hat Peter Brosi (63), ein ge- bürtiger Hesse aus Hanau, der einst bei Kickers Offenbach mit Rudi Völler zu- sammengespielt hatte, bevor dieser zum internationalen Star aufstieg. Brosi ist ein erfahrener Ausbildner, 20 Jahre war er für den DFB im Bereich Kindertraining tätig. Mehrere Ziele würden mit den Clinics verfolgt. «Wir wollen den Kindern ein Fussballerleb- nis bieten», sagt Brosi. «Dabei wollen wir ihnen die Werte der Real-Madrid- Akademie vermitteln und auch die Fanbindung stärken.» Welche sind die Werte, die man vermitteln wolle? «Dass man konzentriert auf ein Ziel hinarbeiten und lebenslang lernen soll», sagt Brosi. «Und lernen heisst zuhören.»

Gewinner müssen sich benehmen

In Orpund seien viele überdurch- schnittliche Fussballer am Werk. Aber auch solche, denen man anmerke, dass sie vor allem Spass am Spiel haben wol- len. Die Trainingsinhalte sind durchaus anspruchsvoll. «Ich mache gerne Übun- gen, in denen die Kinder geschult wer- den, dass sie den richtigen Rhythmus

für das Spiel finden», sagt Brosi. «Auch koordinative Elemente sind für mich sehr wichtig. Ich lasse zudem schnelles Umschalten üben, bei dem die Kinder sich rasch auf eine neue Spielsituation einstellen müssen.» Auch einheimische Trainer können von der Arbeit des deut- schen Experten profitieren; sie werden in die Übungen mit einbezogen.

Den besten ein bis zwei Spieler des Orpunder Camps winkt die Teilnahme am nationalen Tryout, das am 2. Okto- ber in Tägerwilen im Thurgau stattfin- det. Wer dort obenaus schwingt, wird mit einer Reise nach Madrid und einem Besuch der Real-Akademie be- lohnt. «Die Gewinner müssen sich aber auch gut benehmen», sagt Brosi. «Das Soziale ist für mich sehr wichtig, ein junger Sportler muss seine Aufgabe mit Demut angehen.»

Zwei der Teilnehmer sind Roman Hostettler und Lenny Merkli, die beide für den Nachwuchs des FC Orpund spielen. Merkli ist Real-Fan, Hostettler hingegen Anhänger des Erzrivalen FC Barcelona. «Für das Camp das weisse Leibchen anzuziehen ist für mich je- doch kein Problem», sagt er. Die 14- Jährigen bezeichnen das Programm im Camp als «cool, wenn auch anstren- gend». Die Übungen seien komplex, das Tempo hoch, die Herausforderung höher als etwa beim Kids-Camp von YB.

Sie schliessen es nicht aus, nochmals zu kommen, wenn das Real-Camp auch im kommenden Jahr in Orpund Halt machen würde. Auch Juniorenob- mann Lüdi sagt nicht Nein. «Ich könnte mir gut vorstellen, das Camp wieder durchzuführen.»

Autor: Reto Pfister
Quelle: Bieler Tagblatt